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Hochzeitsbräuche

Sobald die Frage aller Fragen gestellt wurde, dreht sich alles nur noch um die Hochzeit. Wer wird eingeladen und wie viele Hochzeitsgäste sollen überhaupt geladen werden? Die Suche nach dem Braut- und Bräutigamoutfit beginnt und je näher der große Tag rückt, desto mehr rückt auch die Frage nach der Gestaltung der eigentlichen Hochzeitsfeier in den Mittelpunkt. Meist sind es die nächsten Verwandten und beste Freunde, die sich über diesen Punkt Gedanken machen. Und egal wie modern auch die Hochzeit sein mag, es gibt ein paar alte Hochzeitsbräuche und Hochzeitsspiele, die einfach dazu gehören. Den Ursprung vieler alter Bräuche und Spiele findet sich in dem Wunsch nach einer glücklichen und harmonischen Ehe. Da sollten böse Geister vertrieben werden, oder das zukünftige Ehepaar sollte auf die Notwendigkeit einer gute Zusammenarbeit hingewiesen werden. In den letzten Jahrzehnten gestalten sich diese Bräuche und Spiele auch immer internationaler. Vor allem aus dem englischen Sprachraum werden gern ein paar Traditionen übernommen, die sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreuen. Doch auch schon vor der eigentlichen Hochzeit bringen ein paar alte Bräuche Paar, Angehörige und Freunde in die richtige Stimmung.

Pfennigsammeln

Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Braut ihre Brautschuhe mit Pfennigen bezahlt. Kleine Mädchen hören schon: „Behalte den Pfennig, spar ihn für die Brautschuhe.“ Was heute eigentlich nur noch symbolischen Charakter besitzt, sollte früher zeigen, dass die Braut sparsam ist und zu wirtschaften versteht.

Brautkleid allein kaufen

Ein anderer Brauch gehört dem Brautkleid. Der Kauf selbigen erfolgt grundsätzlich ohne den Bräutigam. Schließlich darf er es erst sehen, wenn die Braut im Standesamt oder in der Kirche erscheint. So begleiten Mutter, Schwester und gute Freundinnen die Braut beim Kauf des Kleides. Ein Tipp am Rande: Mit der Suche nach dem Brautkleid sollte schnell begonnen werden. Selten passt das gewünschte Kleid gleich auf Anhieb und die Änderungen können durchaus einige Wochen in Anspruch nehmen.

Der Junggesellenabschied

Der beliebteste aller Vorhochzeitsbräuche ist wohl der Junggesellenabschied. Ursprünglich war er eigentlich nur den Männern vorbehalten. Die Freunde des Bräutigams trafen sich mit ihm, um seinen Abschied von der „Freiheit“ kräftig zu feiern. Da die Freunde den Abend in der Regel gestalten, bleibt so manche Überraschung für den zukünftigen Ehemann nicht aus. Heute gibt es auch den Junggesellinnenabschied, dessen Runde nur aus der Braut und deren Freundinnen besteht. Hierbei kommt die Braut ebenso wenig ungeschoren davon, wie der Bräutigam bei seiner Vorfeier.

Geister vertreiben am Polterabend

Am Tag vor der Hochzeit findet der traditionelle Polterabend statt. Zum Polterabend wird nicht unbedingt geladen. Sondern jeder, der dem Brautpaar Glück auf seinem gemeinsamen Weg wünschen möchte, nimmt daran teil. Hier erfolgt auch die erste gemeinsame „Prüfung“. Ganz nach dem alten Spruch „Scherben bringen Glück!“ werden zum Polterabend von den Gästen Tonwaren und Porzellan vor der Tür zerschlagen. Auch metallene Gegenstände, die beim Aufprall auf den Boden ordentlich Lärm machen, sind erwünscht. Je mehr Lärm, desto besser, denn so werden böse Geister verjagt. Nur eines hat auf einem Polterabend nichts zu suchen: Glas. Das Zerschlagen von Glas und Spiegel bringt nämlich Unglück! Das zukünftige Paar muss gemeinsam die Scherben zusammenfegen.

Was Altes, Was Neues, Was Geborgtes

Für die Braut gibt es am Tag der Hochzeit beim Ankleiden einen in Deutschland relativ jungen Brauch. In England und Amerika gehört er schon immer dazu. Die Braut trägt „etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes, etwas Blaues und einen Glückspfennig im Schuh.“

Hochzeitssitten direkt nach der Trauung

Reis werfen, Herz ausschneiden, Baum sägen

Nach der Trauung kommt das junge Brautpaar auf den Prüfstand. Doch zunächst werden die jungen Eheleute beim Verlassen der Kirche oder des Standesamtes mit Reis beworfen. Dieser Brauch soll die Geister gut stimmen und für Glück, Reichtum und Kindersegen sorgen. Nun geht es ans „Herz ausschneiden“ oder „Baustamm sägen“. Das Herz wird vom frischgebackenen Ehepaar gemeinsam mit einer möglichst kleinen Schere aus einem großen Laken geschnitten. Der Baumstamm muss mit einer typischen 2-Mann-Holzsäge von beiden zertrennt werden. Bei dieser Aufgabe ist ganz besonders Zusammenarbeit und Harmonie erforderlich, da sonst die Säge einfach im Holz stecken bleibt. Erst wenn die „Arbeit“ erfolgreich erledigt wurde, darf das Brautpaar weiter gehen.

Es klappert an der Kiste

Natürlich gehören auch die klappernden Blechdosen an jedes Hochzeitsgefährt, welches das junge Paar zum Ort der eigentlichen Feier bringt und die bösen Geister verjagen.

Hochzeitstorte und Hochzeitszeitung

Auch hier wartet noch eine Aufgabe auf das Paar, das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte. Nun darf aber endlich gefeiert werden! Natürlich darf die Hochzeitszeitung nicht fehlen, die witzig, aber liebevoll die Brautleute nebst Gästen aufs Korn nimmt und an viele kleine Erlebnisse und Ereignisse der Vergangenheit erinnert.

Spiele und Bräuche auf der Hochzeitsfeier

Hochzeitstanz – Walzer oder doch etwas anderes

Der Tanz wird ganz traditionell mit einem Walzer des Brautpaares eröffnet, bevor es an Brautentführung oder Versteigerung der Brautschuhe geht. Hochzeitspiele dürfen ausgelassen sein und auch mal das junge Paar ordentlich „zwicken“. Doch niemals sollten sie gemein und verletzend sein! Gern gehört auch das heimliche „Umräumen“ der Wohnung, in die das junge Paar nach der Hochzeit zurückkehrt, zu den Streichen. Dabei wird bunt und scherzhaft dekoriert und es darf auch etwas „Unordnung“ eingebracht werden.

Ratespiele

Auch Ratespiele sind sehr beliebt auf Hochzeiten: Waden erkennen, bei denen die Braut z. B. aus einer Reihe nackter Männerwaden die des Ihrigen erkennen muss. Als Pendant muss der Bräutigam den richtigen Kussmund wieder finden. Dazu drücken einige weibliche Gäste und die Braut ihren Lippenstiftmund auf Papier. Nun muss der Bräutigam den seiner Liebsten herausfinden.

Reise nach Jerusalem

Fröhlichkeit und Leben kommt mit dem „Tanz nach Jerusalem“ in jede Feier. Zwölf freiwillige Paar tanzen zur Musik und geben dabei einen Besenstiel von einem zum anderen Paar. Hört die Musik auf, scheidet jenes Paar aus, welches gerade im Besitz des Besenstiels ist. Diese Paar geht nun zum Brautpaar, wo zwölf Karten bereitliegen, die für die zwölf Monate stehen, und wählt eine aus. Auf der Rückseite steht dann z. B. eine Tätigkeit, die das Paar im jeweiligen Monat für das Brautpaar erledigen oder organisieren muss, oder besser darf. Für die Herbstmonate kann da z. B. Weinverkostung oder Drachensteigen stehen oder für den Winter eine lustiger Rodelausflug. Den Einfällen ist hier kein Ende gesetzt, sie müssen nur lustig und lieb gemeint sein. So hat das junge Paar noch lange nach der Hochzeitsfeier eine schöne Erinnerung an den besonderen Tag.

Werfen vom Brautstrauß

Zum Schluss der Feier darf natürlich nicht der obligatorische Wurf des Brautstraußes fehlen, der angeblich die nächste Braut anzeigt. Für die Junggesellen gibt es übrigens das Werfen des Strumpfbandes der Braut. Auch hier gilt: Wer fängt, ist als Nächster dran.

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